Beschreibung für Solitärring mit Navette-Diamant (1,22 ct), mit Gutachten von 1976
1. Beschreibung
Damenring in Weißgold 750 Auf den Fotos ist keine Punze zu erkennen. Der Ring ist ein schlichter Solitär mit glatter, leicht verjüngter Schiene. Der Stein sitzt als Navette (Marquise) in einer ringsum geschlossenen Zargenfassung, die auf der Schiene quer zur Fingerachse angeordnet ist. Der Stein ist facettiert und farblos bis sehr hell.
Der Ring liegt in einem cremefarbenen Samt-Etui mit goldgeprägtem Juweliersaufdruck „BAD MER…“ (vermutlich Bad Mergentheim).
Dazu gehört ein Gutachten (Graduierung) vom 5. Oktober 1976 des Labors für Edelstein-Prüfung, Kronberg/Ts., Leitung Verena Pagel-Theisen (Gemmologin, Diamant-Gutachterin DGemG), gerichtet an die Firma Heine + Co in Bad Mergentheim. Es bescheinigt:
MerkmalAngabe im GutachtenSchliff | Navette in sehr guter Schliffausführung
Reinheit | VVS, wegen eines Risschens in einer Unterteil-Facette
Farbe | „Hoher Bereich von River“ (im Dokument unter „Schliff“ aufgeführt, offensichtlich ein Schreibfehler)
Gewicht | 1,22 ct
Ringgröße / Metall / Gesamtgewicht: Metall Gold 750 , Gewicht 3,14 g]
Datierung: Fassung und Stein um 1976, 20. Jahrhundert.
Expertenmeinung und Schätzung
Positive Merkmale
- Ein Navette-Diamant über 1 ct in sehr hoher Farbe (River) und hoher Reinheit wäre ein Stein mit deutlichem Sammler- und Handelswert.
- Das Gutachten stammt von einer anerkannten Gemmologin mit FGA- und DGemG-Qualifikation.
- Die Herkunft ist gut nachvollziehbar: Juwelier, Etui und Gutachten stammen aus derselben Zeit und demselben Umfeld.
- Die schlichte, zeitlose Fassung stört den Stein nicht und lässt ihn zur Geltung kommen.
Kritische Punkte, die vor dem Verkauf geklärt werden sollten
- Zuordnung: Das Gutachten nennt weder Maße noch eine Laserinschrift oder Nummer. Es beschreibt einen „vorgelegten Diamanten“ und ist damit nicht eindeutig diesem Stein zugeordnet. Ob Stein und Gutachten zusammengehören, lässt sich nur durch Nachmessen und Nachgraduieren belegen.
- Fotoeindruck: Auf dem Foto wirkt der Stein leicht getrübt und zeigt sichtbare Einschlüsse und Bearbeitungsspuren. Das passt nicht ohne Weiteres zu VVS und River. Es kann am Licht, am Winkel und an der Fassung liegen, ist aber ein Warnsignal, das vor Ort geprüft werden muss.
- Gutachtenstatus: Es handelt sich um ein Labor-Schreiben von 1976 und nicht um ein Zertifikat eines der heutigen Großlabore (GIA, HRD, IGI). Die Farbskala („River“) und die Reinheitsstufen wurden damals teils anders angewandt, und heutige Standards sind oft strenger. Eine Neugraduierung kann abweichen, nach oben wie nach unten.
- Echtheit des Steins: Fotos können Diamant, Moissanit und Zirkonia nicht sicher unterscheiden. Ein Diamanttest und eine Gewichtsprüfung sind Pflicht. Das Gewicht von 1,22 ct bezog sich auf den losen Stein und muss im Ring rechnerisch oder nach Ausfassen geprüft werden.
Marktwert (grobe Orientierung): Bei bestätigter Spitzenqualität (Farbe D/E, VVS) kann ein Navette-Diamant dieser Größe einen niedrigen fünfstelligen Euro-Betrag erreichen. Wird die Qualität bei der Nachprüfung niedriger eingestuft, liegt der Wert im vierstelligen Bereich. Zudem werden Navetten im Handel meist niedriger bewertet als Brillanten gleicher Qualität. Eine belastbare Zahl gibt es erst nach persönlicher Prüfung und aktueller Graduierung.
Handlungsempfehlung durch die Experten für Schmuck von Estimando
- Schätzung und Prüfung durch das Auktionshaus: Ring, Etui und Gutachten gemeinsam vorlegen oder einsenden. Das Haus prüft den Stein (Diamant ja/nein, Maße, Gewicht) und schlägt bei Bedarf eine Neugraduierung vor.
- Neugraduierung vor dem Verkauf: Bei einem Stein dieser Größenordnung lohnt ein aktuelles Zertifikat (GIA, IGI, HRD oder DGemG), idealerweise mit Laserinschrift. Es verbindet Stein und Beschreibung eindeutig und schafft Vertrauen bei Bietern. Das Auktionshaus kann die Einreichung meist vermitteln.
- Auktionshaus von Brühl (Stuttgart), Einsendung per Post: Nur als versicherter Wertversand schicken (Wertpaket oder Kurier mit Wertversicherung). Zuvor Fotos und Maße zur Dokumentation machen und eine Kopie des Gutachtens beilegen. Das Original ist besser persönlich zu übergeben oder gesondert zu sichern. Der Eingang sollte schriftlich bestätigt werden.
- Dorotheum Wien: Das Haus hat ein großes internationales Publikum und regelmäßige Juwelen-Auktionen. Das kann sich bei hochwertigen Steinen preislich lohnen. Vorab sollten Provisionen, Versicherungs- und Versandkosten, Auktionstermine und die Abwicklung für Einlieferer aus Deutschland erfragt werden.
- Vergleich beider Häuser: Von beiden Häusern eine unverbindliche Schätzung einholen (oft anhand von Fotos). Danach über Schätzpreis, Limit, Provision und Termin entscheiden.
- Vorbereitung: Den Ring nicht aufarbeiten, polieren oder ausfassen lassen. Den Stein nur vorsichtig trocken abwischen. Etui, Gutachten und eventuelle Rechnungen unbedingt mitgeben, da sie die Herkunft belegen.
- Limit: Erst nach Schätzung und Neugraduierung festlegen.